|
Die Kirche zu Ehren des hl. Ägidius entstand um 1125. Dieser Abt von St. Gilles in Südfrankreich
erfreute sich auch in deutschen Landen großer Verehrung. Man wallfahrtete zu seinem Grabe (gest. um 725), geistliche und adelige Grundherrn weihten ihm gerne eine Kirche oder Kapelle. Das Prämonstratenserkloster
Speinshart hatte hier immer mehr Untertanen erworben - eine Urkunde von 1538 zählt 29 Untertanen auf -, die alljährlich an das Kloster den großen und kleinen Zehent zu leisten hatten. Dafür hatte das
Kloster auch ihre irdischen und geistlichen Sorgen übernommen.
So kommt in den Hussitenkriegen der Abt Jorg von Speinshart zum Markgrafen Friedrich und Sigmund zu
Brandenburg, Stettin und Pommern und Burggrafen zu Nürnberg und bittet für sich und seinen Convent - das Kloster war schon 1428 geplündert - und alle Untertanen mit "dem Dorf Kirchenleiben",
Wallenbrunn, Oberschwarzach, Pirk, Göppmannsbühl, "Windischenleiben", Ramlesreut u. a. um Schutz vor den Feinden. Der Abt erhält 1434, 1441 und 1486 einen Schutzbrief und verpflichtet sich für das
Markgrafengeschlecht Jahresgedächtnisgottesdienste zu halten und zur Plassenburg "jährlich zehen Sümer Habern Culmbacher Maß" zu bringen.
Das Kloster sorgte auch für seine Grundholden durch Gründung einer eigenen Pfarrei in Kirchenlaibach.
Die ältesten Pfarreienverzeichnisse der Diözese Regensburg aus den Jahren 1286, 1326, 1438 erwähnen eine Pfarrei Kirchenlaibach noch nicht, dagegen ist sie schon aufgeführt 1459 und 1487 in den
Dombauregistern. Sie muß also um 1450 gegründet worden sein. Die Abtei Speinshart hatte das Besetzungsrecht.
In der Zeit der Glaubensspaltung bestimmte auch in Kirchenlaibach der Landesherr die Religion. Die
Kur-Oberpfalz (Hauptstadt Amberg) und die angrenzende Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth führten den lutherischen Glauben ein. In Kirchenlaibach herrschte etwa vom Jahre 1556 bis 1625 der Protestantismus und
Kalvinismus. Die Kurpfälzer zwangen nämlich ihre Untertanen mehrmals auch zum Kalvinismus, wahrend die Markgrafen von Bayreuth beim Protestantismus blieben. Kalvinische Kirchenvisitationen in Kirchenlaibach
ergaben, daß die vier Altare noch "voller götzen und viel nothelfer" waren. Das war im Jahre 1600 und 1615. Auch sagte der schon 40 Jahre in der Pfarrei wirkende Pfarrer Johann Heuringer zu den
kalvinischen Vorgesetzten über seine Pfarrkinder: "Liebe Herrn, wenn sie nur folgten!" Das Volk widerstand also anscheinend innerlich dem neuen Glauben.
Der größte und berühmteste Sohn des Ortes ist Michael Höser. Er wurde am 12. November 1577 in
Kirchenlaibach geboren. Seine Eltern waren nach Regensburg ausgewandert - vielleicht des Glaubens wegen. In St. Emmeram in Regensburg Benediktiner geworden, leitete er 1614 als Abt Vitus Höser in Oberalteich
die Missionierung der Oberpfalz. Die Jesuiten und die altbayerischen Benediktinerabteien nahmen sich nähmlich um die katholische Lehre in der Oberpfalz besonders an. Auch war der katholische Kurfürst
Maximilian I. 1628 Landesherr der Oberpfalz geworden. Da Speinshart zu seinem Herrschaftsgebiet gehörte, ist auch in Kirchenlaibach trotz des Widerspruchs des markgräflichen Landesherrn der katholische Glaube
wieder eingeführt. worden. Benediktinermönche kamen in das Speinsharter Gebiet. Vitus Höser errichtete in Oberalteich eine neue Abtei und wurde auch der geniale Erbauer des prächtigen Münsters, das heute
noch mit seinen zwei Türmen die Gegend ziert. Er starb am 7. August 1634 in seiner Abtei. Anläßlich der Restaurierung 1906 bestand der Plan, an seinem Geburtshaus oder einem öffentlichen Gebäude in
Kirchenlaibach eine Gedenktafel anzubringen.
Das Kloster Speinshart wurde nach den Reformationswirren auch wieder neu besiedelt. Prämonstratenser von
Steingaden zogen ein. Die Pfarrei Kirchenlaibach kam 1695 wiederum an Speinshart. Sie zählte um die damalige Zeit rund 400 Seelen. Der 1. Abt Godfrid Blum (1691-1711) ließ 1695 die heutige Speinsharter Kirche
von Wolfgang Dientzenhofer erbauen. 1691 war Speinshart wieder selbständige Abtei geworden. 1674 war der Klosterneubau angefangen. Als die Amberger Jesuiten am 3. Mai 1745 in Kirchenlaibach die Bruderschaft zu
Ehren des hl. Franz Xaver errichteten, hielt Abt Dominikus Lieblein (1734-1771) hier feierlichen Gottesdienst und Prozession. Die Pfarrei war wiederholt mit Prämonstratensern besetzt. Der bedeutendste davon
war der spätere Abt Hermann Brodreis. Er war 1762-1767 Pfarrer in Kirchenlaibach.
Wie ein Gedenkstein an der heutigen Kirche auf der Südseite bezeugt, wurde unter dem letzten Abt
Dominikus Wagner 1798 die Pfarrkirche Kirchenlaibach neu gebaut. Sie wies einen Kuppelturm auf und hatte barocke Ausstattung. Michael Zeder war in den Baujahren der Pfarrer von Kirchenlaibach. Er hat 1805 auch
den neuen Friedhof angelegt. Über die Weihe der neuen Pfarrkirche ist in den Akten nichts erwähnt. Dagegen ist in einer Notiz festgehalten, daß am "Donnerstag, dem 17. Juli 1845, der Hochwürdigste Herr
Bischof Valentin Riedl eine Kirchen- und Pfarrhofvisitation" durchgeführt hat. Speinshart wurde 1803 staatlich aufgehoben. Damit ist die Verbindung zur Ortschaft Kirchenlaibach gelöst.
Die Schule stand um das Jahr 1800 ganz nah an der Südseite der Kirche und war sehr klein. An der
Nordseite hatte Leonhard Kraft seine Schmiedewerkstätte und Wohnhaus, Daneben lag auch noch an der Kirche die "Kellerruine des Johann Hamann". Als am 15. Mai 1806 die Winterschule in Kodlitz
aufgehoben und die katholischen Kinder von Kodlitz, wie vom 20. Juni 1807 an auch die katholischen Kinder von Zeulenreuth, Nairitz, Windischenlaibach und Speichersdorf, der katholischen Schule Kirchenlaibach
zugewiesen wurden, reichten Gebäude und Platz nicht mehr aus. Im Verein mit der Pfarrei bauten die Schulverbandsgemeinden gegenüber dem Pfarrhof eine neue Schule. Man schrieb das Jahr 1821. In ähnlichem
Zusammenspiel der Kräfte entstand 1903 das heutige Schulhaus. Das erste Schulhaus erwarb 1825 der Nachbar Georg Reiß. Er durfte nach dem Brand von 1859 ebensowenig wie Kraft und Hamann an und neben der Kirche
aufbauen. Der Friedhof lag ursprünglich östlich von Kirche und Schulhaus. Er wurde nach 1805 aufgegeben. Mehrere Pfarrer sind innerhalb oder an der Kirchenmauer beigesetzt.
Der dunkelste Tag in der Geschichte der Ortschaft ist der Brand im Jahre 1859. Am 28. August abends 10 Uhr
brach in der Scheune des Michael Reiß Feuer aus, das 31 Häuser, 28 Scheunen und 35 Nebengebäude erfaßte. Auch die Kirche fiel ihm zum Opfer. Die Schule blieb stehen. Der Pfarrhof brannte auf der Nordseite
aus. Das Ökonomiegebäude lag in Schutt und Asche. Der Brandstifter hatte sich in die Flammen gestürzt und "wurde beim Aufräumen als halb verbranntes Gerippe gefunden". Der Aufbau war für die
Ortschaft sehr schwierig, am meisten für die Kirche. Der kranke Pfarrer Dismas Cigoni dankte ab. Sein Nachfolger Jakob Hermann konnte der Kirchenruine nur ein Notdach aufsetzen, das in keiner Weise genügte.
Er gab die Pfarrei nach zwei Jahren wieder auf. Erst Pfarrer Josef Bolland gelang 1863/64 der Rohbau. An Weihnachten 1865 erklang die neue Orgel, gebaut von Keineck (Bayreuth). Als 1866 die preußischen
Soldaten nach der Schlacht bei Seybothenreuth durch Kirchenlaibach zogen, war gerade der Kirchturm im Bau. Die Arbeiter mußten vom Turm herunter," bis die Truppen durchgezogen waren. Kaum hingen die neuen
Glocken im Turm, da weckten sie die Bewohner des Ortes in der Nacht zum 6. November 1867 wegen einer neuen Feuersbrunst. "Wie durch ein Wunder" konnten Kirche und Pfarrhof gerettet werden. 1868 wurde
der neue Hochaltar von Horchler (Regensburg) aufgestellt, erst 1887 die beiden Seitenaltäre. Die neue Kirchenuhr kostete 500 Gulden und wurde 1875 erworben. 1847 war erst eine neue Turmuhr um 300 Gulden, größtenteils
durch freiwillige Spenden aufgebracht, angeschafft gewesen. So hatte sich der Aufbau über lange Jahre erstreckt. Am Grundriß der Kirche hat sich gegenüber früher nichts geändert. Auch früher waren der
Altarraum und die Sakristei klein. Der neue Turm mußte von Grund aus neu gebaut werden. Der alte Turm war 1819 erbaut, "zeigte aber schon während der Bauzeit solche Senkungen am Mauerwerk, daß derselbe
mit einer Stützmauer versehen werden mußte, welche zur Erweiterung der Sakristei diente". Das Gemäuer war 17 m hoch, darauf saß ein mit Schiefer gedecktes Kuppeldach. Der neue Turm erhielt ein
Pyramidendach und ist 40 m hoch. Bischof Ignatius von Senestrey konnte am 6. Juli 1878 der Kirche die Weihe geben. Er firmte zugleich die Kinder aus der Pfarrei. Die sechs Altarleuchter, die heute, neu
hergerichtet, wieder verwendet werden, hat der Bischof zur Kircheneinweihung gestiftet. 1905 wurde diese Kirche unter Pfarrer Prühschenk renoviert. 1937 erhielt sie unter Pfarrer Kirschner die heutige
Ausstattung durch drei moderne Altäre und die Kreuzwegbilder in Fresko von G. Bauer (München).
Während nach dem Brand 1859 Ortschaft und Kirche aufgebaut wurden, wurde 1861 das Bahngeleis
Bayreuth-Weiden gelegt. Der Bahnhof war beim Friedhof Kirchenlaibach geplant, doch konnte der Platz nicht erworben werden. Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude glich dem von Seybothenreuth und mußte dem größeren
heutigen weichen, als Kirchenlaibach durch den Bahnbau Nürnberg-Eger im Jahre 1875-1878 Bahnknotenpunkt wurde. Wegen dieser Verkehrsvorzüge wurde im letzten Krieg auch ein Flugplatz errichtet. Der erste
Weltkrieg forderte 30, der zweite 45 junge Menschenleben. Ihnen hat die Ortsgemeinde 1924 und 1957 ein Denkmal gesetzt am Kirchplatz. Mit dem Zuzug der Neubürger, die annähernd die Hälfte der Bevölkerung
ausmachen, beginnt ein neuer hoffnungsvoller Abschnitt. Siedlungshäuser, Wohnblöcke, Wasserleitung, Kanalisation, Straßen mit Asphaltdecke - ein neuer Lebensrhythmus! Die Landwirte haben ihre Fluren
bereinigt. Ein neuer Arbeitsrhythmus kündigt sich an. Industrielle Unternehmen bringen der Gegend eine neue Note. Glück auf!
Peter Schwarzfischer (katholischer Pfarrer)
|