Geschichte der Ortschaft Kirchenlaibach

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Quelle: Festzeitschrift Gauschiessen 1959, Ausrichter: damals "Schützenverein Kirchenlaibach"

Aus der Ortsgeschichte von Kirchenlaibach

Das Gebiet um Kirchenlaibach gehörte wie Kemnath mehrere Jahrhunderte zu Ostfranken. Die Landesherrn waren über diese Gegend die Markgrafen zu Schweinfurt, bis Kaiser Heinrich der Heilige ihre Macht gebrochen hatte und das ganze Gebiet 1008 als Stiftland dem Bistum Bamberg schenkte. Im Jahre 1174 erwarb es Kaiser Friedrich I. von Hohenstaufen. Der Adelige Berengar von Guntzendorf schenkte A. D. 1223 ein Gut in Lubin (= Kirchenlaibach) an das Prämonstratenserkloster Speinshart, das Adelvolk von Reifenberg 1145 gegründet hatte.

 

Der Ort Kirchenlaibach mag um das Jahr 1000 entstanden sein. Über die vorausgehende Zeit weiß man nichts nur daß hier in der Gegend die Kelten (?), die Hermunduren (Thüringer), die Franken die Slawen und die Bayern sich berührten, bekämpften und ihre Spuren hinterließen. So ist auch der Ursprung des Ortsnamens Kirchenlaibach ungeklärt. Forscher leiten Kirchenlaibach früher Lubin, Leuben, Leuba, Leiba her vom slawischen loviba, looba, loiba = Fang, Jagd, daher Luban = Loijbany die Leute im Jagdwald. Diese Ableitung wäre ein Hinweis auf wendische Siedler aus Böhmen, die vielleicht schon um 600 nach Chr. vom wildreichen Waldgebiet der Gegend angelockt waren. Andere Wissenschaftler führen den Ortsnamen zurück auf Bach (althochdeutsch bah) und verbinden damit laiba, loiba (slaw. Wald, Laub); daraus also Waldbach. Oder sie verbinden loiba (Wald) mit dem altdeutschen aha (latein. aqua Wasser) und kommen zu Waldwasser oder Waldbach. Hier läge es nahe an den Kirlohbach und den Leimbach zu denken. In der Nähe sind auch andere Orte, die slawischen Ursprungs sind: Selbitz = grün (Grünstreifen im Wald); Nairitz früher Nagritz, Nagoritz = gora (Berg, Höhe, Hügel); Kulm = Berg; Lübnitz (bei Gefrees) von lipa (Linde), also bei der Linde. Die Unterscheidung zwischen "Kirchenleubach" und "Windischenleubach" (windisch Ort der Wenden) finden wir urkundlich erst im 15. Jahrhundert.

 

Die Kirche zu Ehren des hl. Ägidius entstand um 1125. Dieser Abt von St. Gilles in Südfrankreich erfreute sich auch in deutschen Landen großer Verehrung. Man wallfahrtete zu seinem Grabe (gest. um 725), geistliche und adelige Grundherrn weihten ihm gerne eine Kirche oder Kapelle. Das Prämonstratenserkloster Speinshart hatte hier immer mehr Untertanen erworben - eine Urkunde von 1538 zählt 29 Untertanen auf -, die alljährlich an das Kloster den großen und kleinen Zehent zu leisten hatten. Dafür hatte das Kloster auch ihre irdischen und geistlichen Sorgen übernommen.

So kommt in den Hussitenkriegen der Abt Jorg von Speinshart zum Markgrafen Friedrich und Sigmund zu Brandenburg, Stettin und Pommern und Burggrafen zu Nürnberg und bittet für sich und seinen Convent - das Kloster war schon 1428 geplündert - und alle Untertanen mit "dem Dorf Kirchenleiben", Wallenbrunn, Oberschwarzach, Pirk, Göppmannsbühl, "Windischenleiben", Ramlesreut u. a. um Schutz vor den Feinden. Der Abt erhält 1434, 1441 und 1486 einen Schutzbrief und verpflichtet sich für das Markgrafengeschlecht Jahresgedächtnisgottesdienste zu halten und zur Plassenburg "jährlich zehen Sümer Habern Culmbacher Maß" zu bringen.

Das Kloster sorgte auch für seine Grundholden durch Gründung einer eigenen Pfarrei in Kirchenlaibach. Die ältesten Pfarreienverzeichnisse der Diözese Regensburg aus den Jahren 1286, 1326, 1438 erwähnen eine Pfarrei Kirchenlaibach noch nicht, dagegen ist sie schon aufgeführt 1459 und 1487 in den Dombauregistern. Sie muß also um 1450 gegründet worden sein. Die Abtei Speinshart hatte das Besetzungsrecht.

In der Zeit der Glaubensspaltung bestimmte auch in Kirchenlaibach der Landesherr die Religion. Die Kur-Oberpfalz (Hauptstadt Amberg) und die angrenzende Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth führten den lutherischen Glauben ein. In Kirchenlaibach herrschte etwa vom Jahre 1556 bis 1625 der Protestantismus und Kalvinismus. Die Kurpfälzer zwangen nämlich ihre Untertanen mehrmals auch zum Kalvinismus, wahrend die Markgrafen von Bayreuth beim Protestantismus blieben. Kalvinische Kirchenvisitationen in Kirchenlaibach ergaben, daß die vier Altare noch "voller götzen und viel nothelfer" waren. Das war im Jahre 1600 und 1615. Auch sagte der schon 40 Jahre in der Pfarrei wirkende Pfarrer Johann Heuringer zu den kalvinischen Vorgesetzten über seine Pfarrkinder: "Liebe Herrn, wenn sie nur folgten!" Das Volk widerstand also anscheinend innerlich dem neuen Glauben.

Der größte und berühmteste Sohn des Ortes ist Michael Höser. Er wurde am 12. November 1577 in Kirchenlaibach geboren. Seine Eltern waren nach Regensburg ausgewandert - vielleicht des Glaubens wegen. In St. Emmeram in Regensburg Benediktiner geworden, leitete er 1614 als Abt Vitus Höser in Oberalteich die Missionierung der Oberpfalz. Die Jesuiten und die altbayerischen Benediktinerabteien nahmen sich nähmlich um die katholische Lehre in der Oberpfalz besonders an. Auch war der katholische Kurfürst Maximilian I. 1628 Landesherr der Oberpfalz geworden. Da Speinshart zu seinem Herrschaftsgebiet gehörte, ist auch in Kirchenlaibach trotz des Widerspruchs des markgräflichen Landesherrn der katholische Glaube wieder eingeführt. worden. Benediktinermönche kamen in das Speinsharter Gebiet. Vitus Höser errichtete in Oberalteich eine neue Abtei und wurde auch der geniale Erbauer des prächtigen Münsters, das heute noch mit seinen zwei Türmen die Gegend ziert. Er starb am 7. August 1634 in seiner Abtei. Anläßlich der Restaurierung 1906 bestand der Plan, an seinem Geburtshaus oder einem öffentlichen Gebäude in Kirchenlaibach eine Gedenktafel anzubringen.

Das Kloster Speinshart wurde nach den Reformationswirren auch wieder neu besiedelt. Prämonstratenser von Steingaden zogen ein. Die Pfarrei Kirchenlaibach kam 1695 wiederum an Speinshart. Sie zählte um die damalige Zeit rund 400 Seelen. Der 1. Abt Godfrid Blum (1691-1711) ließ 1695 die heutige Speinsharter Kirche von Wolfgang Dientzenhofer erbauen. 1691 war Speinshart wieder selbständige Abtei geworden. 1674 war der Klosterneubau angefangen. Als die Amberger Jesuiten am 3. Mai 1745 in Kirchenlaibach die Bruderschaft zu Ehren des hl. Franz Xaver errichteten, hielt Abt Dominikus Lieblein (1734-1771) hier feierlichen Gottesdienst und Prozession. Die Pfarrei war wiederholt mit Prämonstratensern besetzt. Der bedeutendste davon war der spätere Abt Hermann Brodreis. Er war 1762-1767 Pfarrer in Kirchenlaibach.

Wie ein Gedenkstein an der heutigen Kirche auf der Südseite bezeugt, wurde unter dem letzten Abt Dominikus Wagner 1798 die Pfarrkirche Kirchenlaibach neu gebaut. Sie wies einen Kuppelturm auf und hatte barocke Ausstattung. Michael Zeder war in den Baujahren der Pfarrer von Kirchenlaibach. Er hat 1805 auch den neuen Friedhof angelegt. Über die Weihe der neuen Pfarrkirche ist in den Akten nichts erwähnt. Dagegen ist in einer Notiz festgehalten, daß am "Donnerstag, dem 17. Juli 1845, der Hochwürdigste Herr Bischof Valentin Riedl eine Kirchen- und Pfarrhofvisitation" durchgeführt hat. Speinshart wurde 1803 staatlich aufgehoben. Damit ist die Verbindung zur Ortschaft Kirchenlaibach gelöst.

Die Schule stand um das Jahr 1800 ganz nah an der Südseite der Kirche und war sehr klein. An der Nordseite hatte Leonhard Kraft seine Schmiedewerkstätte und Wohnhaus, Daneben lag auch noch an der Kirche die "Kellerruine des Johann Hamann". Als am 15. Mai 1806 die Winterschule in Kodlitz aufgehoben und die katholischen Kinder von Kodlitz, wie vom 20. Juni 1807 an auch die katholischen Kinder von Zeulenreuth, Nairitz, Windischenlaibach und Speichersdorf, der katholischen Schule Kirchenlaibach zugewiesen wurden, reichten Gebäude und Platz nicht mehr aus. Im Verein mit der Pfarrei bauten die Schulverbandsgemeinden gegenüber dem Pfarrhof eine neue Schule. Man schrieb das Jahr 1821. In ähnlichem Zusammenspiel der Kräfte entstand 1903 das heutige Schulhaus. Das erste Schulhaus erwarb 1825 der Nachbar Georg Reiß. Er durfte nach dem Brand von 1859 ebensowenig wie Kraft und Hamann an und neben der Kirche aufbauen. Der Friedhof lag ursprünglich östlich von Kirche und Schulhaus. Er wurde nach 1805 aufgegeben. Mehrere Pfarrer sind innerhalb oder an der Kirchenmauer beigesetzt.

Der dunkelste Tag in der Geschichte der Ortschaft ist der Brand im Jahre 1859. Am 28. August abends 10 Uhr brach in der Scheune des Michael Reiß Feuer aus, das 31 Häuser, 28 Scheunen und 35 Nebengebäude erfaßte. Auch die Kirche fiel ihm zum Opfer. Die Schule blieb stehen. Der Pfarrhof brannte auf der Nordseite aus. Das Ökonomiegebäude lag in Schutt und Asche. Der Brandstifter hatte sich in die Flammen gestürzt und "wurde beim Aufräumen als halb verbranntes Gerippe gefunden". Der Aufbau war für die Ortschaft sehr schwierig, am meisten für die Kirche. Der kranke Pfarrer Dismas Cigoni dankte ab. Sein Nachfolger Jakob Hermann konnte der Kirchenruine nur ein Notdach aufsetzen, das in keiner Weise genügte. Er gab die Pfarrei nach zwei Jahren wieder auf. Erst Pfarrer Josef Bolland gelang 1863/64 der Rohbau. An Weihnachten 1865 erklang die neue Orgel, gebaut von Keineck (Bayreuth). Als 1866 die preußischen Soldaten nach der Schlacht bei Seybothenreuth durch Kirchenlaibach zogen, war gerade der Kirchturm im Bau. Die Arbeiter mußten vom Turm herunter," bis die Truppen durchgezogen waren. Kaum hingen die neuen Glocken im Turm, da weckten sie die Bewohner des Ortes in der Nacht zum 6. November 1867 wegen einer neuen Feuersbrunst. "Wie durch ein Wunder" konnten Kirche und Pfarrhof gerettet werden. 1868 wurde der neue Hochaltar von Horchler (Regensburg) aufgestellt, erst 1887 die beiden Seitenaltäre. Die neue Kirchenuhr kostete 500 Gulden und wurde 1875 erworben. 1847 war erst eine neue Turmuhr um 300 Gulden, größtenteils durch freiwillige Spenden aufgebracht, angeschafft gewesen. So hatte sich der Aufbau über lange Jahre erstreckt. Am Grundriß der Kirche hat sich gegenüber früher nichts geändert. Auch früher waren der Altarraum und die Sakristei klein. Der neue Turm mußte von Grund aus neu gebaut werden. Der alte Turm war 1819 erbaut, "zeigte aber schon während der Bauzeit solche Senkungen am Mauerwerk, daß derselbe mit einer Stützmauer versehen werden mußte, welche zur Erweiterung der Sakristei diente". Das Gemäuer war 17 m hoch, darauf saß ein mit Schiefer gedecktes Kuppeldach. Der neue Turm erhielt ein Pyramidendach und ist 40 m hoch. Bischof Ignatius von Senestrey konnte am 6. Juli 1878 der Kirche die Weihe geben. Er firmte zugleich die Kinder aus der Pfarrei. Die sechs Altarleuchter, die heute, neu hergerichtet, wieder verwendet werden, hat der Bischof zur Kircheneinweihung gestiftet. 1905 wurde diese Kirche unter Pfarrer Prühschenk renoviert. 1937 erhielt sie unter Pfarrer Kirschner die heutige Ausstattung durch drei moderne Altäre und die Kreuzwegbilder in Fresko von G. Bauer (München).

Während nach dem Brand 1859 Ortschaft und Kirche aufgebaut wurden, wurde 1861 das Bahngeleis Bayreuth-Weiden gelegt. Der Bahnhof war beim Friedhof Kirchenlaibach geplant, doch konnte der Platz nicht erworben werden. Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude glich dem von Seybothenreuth und mußte dem größeren heutigen weichen, als Kirchenlaibach durch den Bahnbau Nürnberg-Eger im Jahre 1875-1878 Bahnknotenpunkt wurde. Wegen dieser Verkehrsvorzüge wurde im letzten Krieg auch ein Flugplatz errichtet. Der erste Weltkrieg forderte 30, der zweite 45 junge Menschenleben. Ihnen hat die Ortsgemeinde 1924 und 1957 ein Denkmal gesetzt am Kirchplatz. Mit dem Zuzug der Neubürger, die annähernd die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, beginnt ein neuer hoffnungsvoller Abschnitt. Siedlungshäuser, Wohnblöcke, Wasserleitung, Kanalisation, Straßen mit Asphaltdecke - ein neuer Lebensrhythmus! Die Landwirte haben ihre Fluren bereinigt. Ein neuer Arbeitsrhythmus kündigt sich an. Industrielle Unternehmen bringen der Gegend eine neue Note. Glück auf!

Peter Schwarzfischer (katholischer Pfarrer)


© Schützenverein "ZUR LINDE" Speichersdorf-Kirchenlaibach und Umgebung e.V.
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